"Ach Viktoria, ich wünschte wir wären immer so frei wie jetzt." Übermütig lachend warf Violet den Kopf in den Nacken und touchierte das etwas müde wirkende Mietpferd aufmunternd mit der Gerte. Zwei, drei Schritte wurde sein  Schritt etwas frischer, dann verfiel er wieder in seinen alten Trott.

"Wenn man dich so hört, könnte man meinen, wir säßen im Gefängnis", erwiderte ihre Freundin.

"Was ist es denn sonst?"

"Nun, eine sehr exklusive Mädchenschule."

"Exklusiv! Pah! Was ist denn daran exklusiv, wenn sie nicht einmal einen eigenen Reitstall haben? Wären wir in einer exklusiven Schule, bräuchten wir uns nicht mit diesen Schindmähren herumärgern." Erneut tippte sie das Pferd mit der Gerte an. Widerwillig schnaubend warf es den Kopf hoch. Seine einzige Reaktion.

"Siehst du, was ich meine? Dieser alte Klepper hat überhaupt kein Feuer."

"Hör auf, das arme Tier zu ärgern. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Reiter heute schon auf ihm saßen."

"Darum wäre ich ja gern auf einer Schule mit Reitstall, wo ich mein eigenes Pferd stehen hätte und wüsste, dass es ausgeruht ist, wenn ich reiten möchte."

"Wäre dein Pferd ausgeruhter, würdest du überhaupt nicht mit ihm fertig werden."

"Hah! Das liegt nur daran, dass ich so wenig Übung habe."

Viktoria lachte auf. "Also, so wenig wie wir ausreiten dürfen, würde sich ein eigenes Pferd wirklich nicht lohnen."

"Aber vielleicht dürften wir dann häufiger zum Reiten in den Park. Und wie du schon so richtig bemerktest: Ich könnte die Übung brauchen."

Viktoria grinste. "Also ich kann mich nicht erinnern, dass ich unter dem Motto 'Reiten im Park' hierher geschickt wurde. Jedenfalls hat mein Vater nichts dergleichen gesagt."

"O Viktoria. Wieso bist du immer so ernst? Wie kann jemand nur so versessen darauf sein, ständig zu lernen?"

"Weil ich deshalb hier bin."

"Vicky, Vicky, Vicky." Violet seufzte schwer. "Wann schaffe ich es endlich, dich für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu interessieren?"

"Und die wären?", fragte Viktoria schmunzelnd, obwohl sie diese Litanei schon so oft gehört hatte, dass sie sie auswendig kannte.

"Schöne Kleider, rauschende Feste und einen ebenso gut aussehenden wie reichen Ehemann, der mir jeden Wunsch von den Augen abliest", rezitierten sie beide gleichzeitig, lachend.

Violets Credo.

Violet seufzte. "Wenn wir nur endlich unser Debüt geben dürften. Wie sollen denn die reichen Männer von hoher gesellschaftlicher Stellung auf uns aufmerksam werden, wenn man uns auf ewig einkerkert?"

Viktoria lachte auf. "Also man kann das hier ja wohl kaum einkerkern nennen."

"Ach? Mir ist gar nicht aufgefallen, dass du schon einen Beau gefunden hast, der um deine Hand anhalten wird."

"Habe ich ja auch nicht. Und ich will gar keinen reichen Mann oder einen von hoher Stellung. Ich möchte nur einen, der mich bedingungslos liebt, so wie ich bin. Und eines Tages werde ich ihn schon finden."

Violet schnaubte. "Eines Tages. Vicky, du bist neunzehn. Die meisten Damen von Stand sind in deinem Alter bereits verheiratet und haben Kinder. Oder sie sind zumindest schon in die Gesellschaft eingeführt worden. Sie gehen tanzen und haben Spaß und tun alles, um sich einen möglichst reichen Ehemann zu angeln. Wenn du nicht aufpasst, dann endest du noch als alte Jungfer. Du bist ja schon jetzt ein rechter Blaustrumpf."

"Das ist nicht wahr!"

"Ach nein? Und wer steckt den ganzen Tag seine Nase in Bücher? Wenn ich dich nicht hin und wieder auf andere Gedanken bringen würde, kämst du überhaupt nicht aus dem Internat heraus."

"Also, es könnte dir sicher auch nicht schaden, etwas häufiger in die Bücher zu sehen."

"Papperlapapp!"

"Hat dein Vater nicht gesagt, er würde erst dann eine Heirat für dich in Erwägung ziehen, wenn du gelernt hast, einen Haushalt zu führen?" Violet verzog das Gesicht, als Viktoria sie daran erinnerte. Ein weiterer Grund, warum Violet davon überzeugt war, dass ihr Vater sie hasste.

"Ich darf gar nicht daran denken, was für einen Ehemann mein Vater für mich aussuchen wird."

"Aber Violet! Warum sollte er dir einen schlechten Ehemann aussuchen?"

"Weil er mich hasst."

"Ach Unsinn. Dein Vater hasst dich nicht!"

"Du hast leicht reden. Deine Eltern lieben dich. Aber du kennst meinen Vater nicht. Hat er mir in all der Zeit auch nur einen Brief geschrieben? Oder meine Mutter?"

Viktoria wusste, wie sehr ihre Freundin darunter litt. Aber auch wenn sich Violets Eltern nicht besonders um ihre Tochter kümmerten, so konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie sie hassten.

"Wahrscheinlich suchen sie mir einen Mann aus, der nicht nur bettelarm ist, sondern zudem auch noch uralt." Violet seufzte. "Dabei wäre ich zumindest in meiner Ehe so gern glücklich sein. Stell dir mal vor, Viktoria, wie es wäre, wenn wir uns unsere Ehemänner selbst aussuchen könnten. Also dann würde ich einen Mann heiraten, der mir wirklich gefällt. Der mich achtet, respektiert ... Wäre das nicht schön?"

"Ja, das wäre wirklich wunderbar. Aber was würdest du tun, wenn der Mann, in den du dich verliebst, nicht reich ist?"

"Du Dummerchen. Wer sagt denn, dass ich mich in ihn verliebe? Er muss in mich verliebt sein!" Sie grinste. "Und natürlich würde ich nur einen jungen gut aussehenden und reichen Aristokraten in Erwägung ziehen. Also er müsste mindestens ein Graf sein, vielleicht sogar ein Herzog."

"Davon gibt es ja auch so viele."

"Nun, es gibt einige."

"Ja, aber es gibt auch mehr als genügend Debütantinnen, die es auf eben jene jungen, gut aussehenden und reichen Aristokraten abgesehen haben."

"Dann müssen wir eben reizvoller und begehrenswerter erscheinen als sie."

Mit der linken Hand versuchte Viktoria eine Wespe zu vertreiben. Ihr Pferd spürte ihre Unruhe und begann aufgeregt zu tänzeln.

"Warum hast du eigentlich wieder das temperamentvollere Pferd bekommen?", beschwerte sich Violet mit gespieltem Unmut. Sie wusste selbst, dass Viktoria die bessere Reiterin war. Seltsamerweise kam sie mit jedem Pferd gut zurecht, selbst mit denen, die der Stallbesitzer als schwierig bezeichnete.

"Weil du dir wieder das hübschere ausgesucht hast. 'O nein, einen so hässlichen Gaul werde ich ganz gewiss nicht reiten', waren, wenn ich mich recht entsinne, deine Worte", sagte Violet lachend. Dann beugte sie sich vor und tätschelte ihrem Pferd den Hals. "Nein, mein Guter. Du bist nicht hässlich."

Nachdenklich musterte Violet Viktorias Reittier, während sie ihrerseits mit der Hand fuchtelte, weil die Wespe es nun auf sie abgesehen zu haben schien. "Und ich hatte doch Recht. Eine Lady sollte sich hüten, sich auf einem so abgrundtief hässlichen Pferd zu zeigen. Wenn ich es recht bedenke, hat es diese Bezeichnung auch nicht verdient. Es sieht viel mehr so aus wie ..."

Was immer sie sagen wollte ging in einem entsetzten Aufschrei unter, als ihr eigenes gemächliches Tier schrill wieherte, buckelte, um dann wie von Furien gejagt davonzustürmen.

"Violet!", rief Viktoria, aber es war offensichtlich, dass Violet nicht in der Lage war, das durchgehende Pferd zu stoppen. Also trieb sie ihren Wallach an und setzte ihrer Freundin nach.

"Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ich dieses Mal Eure Einschätzung teile." Nachdenklich schüttelte Henry Sutcliff den Kopf und zügelte die temperamentvolle Fuchsstute, die er zum ersten Mal ritt.

"Niemand zwingt Euch dazu, mit einzusteigen", erwiderte sein Gesprächspartner. "Aber ich kann Euch versichern, dass Ihr Euch dann ein gutes, ein sehr gutes Geschäft entgehen lasst."

"Nun, ich weiß, dass Ihr in der Vergangenheit mit Euren Tipps immer richtig gelegen habt. Mein Vermögen hat sich Dank der Geschäfte, die Ihr mir empfohlen habt, mehr als verdreifacht."

"Und ich bin mir sicher, dass auch dieses Mal ein schöner Batzen Geld für die Investoren dabei herausspringt."

"Aber bei einem derart unerfahrenen Kapitän? Wieso seid Ihr Euch so sicher, dass Ihr diesem Mann vertrauen könnt, Cavanaugh?" Die Stute warf den Kopf hoch und tänzelte nervös.

"Lasst die Zügel ein wenig lockerer", empfahl Justin Cavanaugh seinem Begleiter. "Sie ist sehr weich im Maul. Ihr braucht sie nicht so hart ranzunehmen."

Ein reumütiges Lächeln umspielte Sutcliffs Lippen. "Ich vergesse immer, dass Ihr Eure Pferde anders ausbildet. Sie sind die Einzigen, die ich kenne, die man beinahe ohne Zügel reiten kann." Er ließ die Zügel lockerer und parierte die Stute mit den Schenkeln. Augenblicklich wurde sie ruhiger und kaute zufrieden auf ihrer Trense. Henry Sutcliff lachte leise auf. "Ich wünschte, die Frauen wären eben so leicht zu kontrollieren. Also, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, der junge Kapitän. Was hat Euch von seinen Fähigkeiten überzeugt?"

"Er ist ein hervorragender Navigator, und viele andere, die mehr Erfahrung haben, könnten von ihm etwas lernen. Und er ist hungrig nach Erfolg. Irgendein inneres Feuer treibt ihn an. Nicht mehr lange und Bryce Campbell wird das Schiff, das er befehligt, auch besitzen, daran hege ich nicht den geringsten Zweifel."

"Aber noch ist es nicht so weit."

"Nein. Noch nicht. Aber wenn er erst sein eigenes Schiff hat, wer weiß, ob er uns dann noch als Investoren braucht. Wir sollten zugreifen, solange wir die Möglichkeit haben. Die Ladung wird mit Sicherheit einen guten Gewinn bringen."

Sutcliff seufzte. Zweifelnd sah er Justin an. "Jedes Mal, wenn ein riskantes Unternehmen gut ausgegangen ist, nehme ich mir vor, nie wieder ein solches Risiko einzugehen. Und dann kommt Ihr und macht mir erneut ein verlockendes Angebot. Ich dachte immer, ich sei keine Spielernatur, aber inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher."

"Das ganze Leben ist ein Spiel, Henry. Es kommt nur darauf an, das Risiko abschätzen zu können. Aber ich würde Euch dieses Geschäft nicht vorschlagen, wenn ich nicht davon überzeugt wäre."

"Verdammt, das weiß ich doch. Das ist es ja gerade, was es so reizvoll und unwiderstehlich für mich macht. Ihr seid selbst mit dabei?"

Justin nickte. "Ich biete keine Geschäfte an, an denen ich nicht selbst beteiligt bin. Mir gehört das Schiff, und ich finanziere auch einen großen Teil der Ladung. Ich ..." Er verstummte, als das panische Wiehern  eines Pferdes ertönte, gefolgt von einer weiblichen Stimme. "Violet!"

Ohne zu zögern schlug Justin seinem Pferd die Fersen in die Flanken und preschte los. Eine Buchenhecke versperrte ihm die Sicht, und es dauerte einen Augenblick, ehe er sie umrundet hatte und das durchgehende Pferd erspähte. Er sah die junge Reiterin, die sich verzweifelt Halt suchend an den Sattel klammerte, dann bemerkte er die Amazone, die ihr nachsetzte. Auch noch im gestreckten Galopp saß sie geübt im Sattel, und in jeder anderen Situation hätte er innegehalten, um ihrem Reitstil seine Anerkennung zu zollen. Ihren Hut hatte sie verloren, und ihr langes, goldenes Haar wehte einem Banner gleich hinter ihr her. Für einen kurzen Moment fühlte Justin sich an Lady Godiva erinnert, und er dachte einen flüchtigen Augenblick, wie schade es war, dass diese junge Dame nicht nackt hoch zu Ross saß. Im Näherkommen bemerkte er, dass sie kein edles Vollblut ritt, sondern offensichtlich ein Mietpferd. Kaum zu glauben, dass sie es verstand, eines dieser für gewöhnlich müden und verbrauchten Tiere zu einer solchen Leistung anzuspornen. Dennoch verringerte sich der Abstand zwischen ihr und dem anderen Pferd nur langsam.

Justin beugte sich weiter vor, und Acrobat flog noch schneller dahin. Kaum mehr schienen seine trommelnden Hufe den Boden zu berühren. Er sah, wie die Amazone über eine niedrige Hecke hinwegsetzte und so die Distanz zu dem fliehenden Tier verkürzte, das dem einen Bogen beschreibenden Weg folgte. Sie rief ihrer Freundin etwas zu, dessen Bedeutung Justin über das Trommeln der Hufe und das Pfeifen des Windes in seinen Ohren nicht hören konnte. Aus verschiedenen Richtungen kamen jetzt einige weitere Herren auf die beiden Frauen zugeritten und nahmen das dahinjagende Pferd in die Zange, aber Justin und die Amazone erreichten es zuerst. Weit beugte die junge Frau sich vor, und tatsächlich gelang es ihr, die Zügel zu ergreifen und das andere Tier zum Halten zu bewegen. Nur allzu bereitwillig blieb es mit bebenden Flanken und gesenktem Kopf stehen, während Justin sich aus dem Sattel schwang, um der am ganzen Körper bebenden Dunkelhaarigen vom Pferd zu helfen. Sie bebte am ganze Leib, und seine Hände schlossen sich ein wenig fester um ihre pummelige Gestalt.

"Violet! Bist du in Ordnung?"

Bewundernd beobachtete Justin, wie sich die Amazone geschmeidig aus dem Sattel schwang und auf ihre Freundin zueilte. Ihr langes honigblondes Haar fiel ihr in dichten, fließenden Wellen bis auf die Hüften hinab und schwang bei jeder Bewegung hin und her. Sie kam ihm seltsam vertraut vor, auch wenn er sich sicher war, dass sie sich nie zuvor begegnet waren.

Violet entwand sich seinen Armen und stolperte auf ihre Freundin zu, um sich schluchzend an sie zu klammern.

"O Vicky. Dieses scheußliche Pferd. Dieses abscheuliche, abscheuliche Pferd. Es wollte mich umbringen!"

Über die Schulter ihrer Freundin hinweg schenkte die Amazone - Vicky - Justin ein Lächeln, und er erschrak.

Mein Gott, dachte er und trat einen Schritt zurück. Wie war das möglich? Es war lediglich Dankbarkeit gewesen, die er in ihren ungewöhnlich goldenen Augen gelesen hatte, aber dennoch hatte ihn dieses Lächeln wie ein Blitz durchzuckt. Hastig wandte er sich ab.

Sutcliff erschien, den Hut der Amazone in der Hand. Er reichte ihn der jungen Frau, während Justin sich wieder auf Acrobats Rücken schwang, um dem Andrang der Herren, die sich immer dichter um die beiden Frauen scharten, zu entkommen.

"Ist Euch etwas geschehen?", erkundigten sich einige von ihnen, aber keine der jungen Damen beachtete sie. Überrascht erkannte Justin Viscount Howard Overton unter ihnen und zog sich noch ein wenig weiter zurück. Er hatte kein Interesse daran, seinem ehemals besten Freund gegenüberzutreten, selbst nicht nach all der Zeit, die verstrichen war.

"Violet, das ist doch Unsinn", hörte Justin Vicky zu ihrer Freundin sagen. Ihre Stimme war warm und melodisch und klang bei weitem nicht so gekünstelt wie die vieler anderer Damen ihres Alters. Justin fragte sich, ob sie bereits in die Gesellschaft eingeführt worden war, bezweifelte es aber. Ihr fehlte die Affektiertheit, die fast alle Debütantinnen an den Tag legten. Anscheinend bekamen junge Damen vor ihrem Debüt feste Verhaltensregeln eingebläut, die sie alle strickt befolgten, sodass sie sich in ihrer Art glichen wie ein Ei dem anderen. Bedauerlich, wie Justin fand. Er wendete sein Pferd.

"Derartige Menschenansammlungen scheinen Euch noch immer nicht zu behagen", warf Sutcliff ein und lenkte seine Stute an Justins Seite.

"Wir werden hier nicht länger gebraucht", wich Justin der versteckten Andeutung aus. "Es sieht ganz so aus, als hätten die Damen genügend Galane, die ihnen zur Hand gehen können."

Sutcliff lachte leise.

"Wann werdet Ihr Euch endlich wieder in der Gesellschaft zeigen? Meint Ihr nicht, dass genügend Zeit verstrichen ist?"

Cavanaughs Blick war starr geradeaus gerichtet. Er schien die Worte seines Geschäftspartners gar nicht gehört zu haben.

"Justin." Beschwörend sah Sutcliff ihn an. "Ein Großteil des Adels macht Geschäfte mit Euch. Längst hat man Euch vergeben und akzeptiert, dass Ihr nichts mit diesem bedauerlichen Vorfall damals zu tun hattet."

"Ich würde es sehr zu schätzen wissen, wenn Ihr Euch nicht in meine Privatangelegenheiten einmischen würdet, Sutcliff. Wir sind Geschäftspartner. Das gibt Euch nicht das Recht, Eure Nase in mein Leben zu stecken."

"Justin ..."

Justins Kopf fuhr herum, und Sutcliff verstummte unter seinem kalten Blick.

"In Ordnung", gab er zögernd nach. "Wenn das Euer Wunsch ist." Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her, bis Sutcliff erneut das Wort ergriff. "Darf ich Euch trotzdem zu Eurer bevorstehenden Vermählung gratulieren? Das heißt, falls das Gerücht, das ich gehört habe, der Wahrheit entspricht. Oder ist auch das ein zu persönliches Thema?"

Einen Moment schien es, als würde Justin nicht antworten, aber dann verzogen sich seine Lippen zu einem widerwilligen Lächeln. "Doch. Zu meiner Vermählung dürft Ihr mir gratulieren."

"Und wer, wenn ich fragen darf, ist die Glückliche?"

"Lady Felicity Farlingsworth."

"Farlingsworth?"

"Ihr Vater ist James Farlingsworth, Lord Branston."

"Ich kenne Branston. Ein Spieler. Ziemlich leichtsinnig. Hat, wenn mich nicht alles täuscht, sein Vermögen durchgebracht. Sein Besitz ist, wie es heißt, hoch verschuldet."

"Ihr seid gut informiert."

Sutcliff grinste. "Und ich weiß auch, dass seine Tochter von beispielloser Anmut und Schönheit ist. Wir sind einander letztes Jahr vorgestellt worden, als sie ihr Debüt hatte. Es heißt aber auch, dass sie keine Mitgift bekommt", setzte er dann mit einem Seitenblick auf Justin hinzu.

"Das ist mir bekannt. Da ich selbst vermögend genug bin, stört mich der Mangel an Mitgift nicht."